Was ist das?
Eine passive Methode zur Wassergewinnung aus der Luftfeuchtigkeit, rein durch Kondensation – ohne Energiezufuhr. Es ist eine Methode zur Gewinnung von Wasser (nicht zur Reinigung von bestehendem, kontaminiertem Wasser, sondern zur „Ausfällung“ neuen Wassers aus der Luft).
Wofür ist es gut?
Es ist nützlich in Regionen mit wenig Niederschlag, aber erheblichen nächtlichen Feuchtigkeitsschwankungen und klarem Himmel (Wüsten- und Halbwüstenklimata). Da es keine Energie benötigt, funktioniert es auch bei Infrastrukturausfällen – es braucht weder Strom noch Brennstoff.
Die Physik dahinter
Nachts gibt jede Oberfläche mit freiem Blick auf einen klaren Himmel Wärme als langwellige Infrarotstrahlung in den Weltraum ab (die effektive Strahlungstemperatur des klaren Nachthimmels liegt bei etwa −270 °C – „kälter“ als alles auf der Erde) – dies ist Strahlungskühlung. Dadurch kann die Oberfläche mehrere Grad unter die Umgebungsluft abkühlen. Wenn die Oberflächentemperatur unter den aktuellen Taupunkt der Luft fällt, kondensiert der Wasserdampf in der Luft darauf – dies ist Tau.
Die Effizienz wird durch zwei Materialeigenschaften bestimmt: die Emissivität innerhalb des atmosphärischen Fensters (8–13 Mikrometer Wellenlängen) – je besser ein Material in diesem Band strahlt, desto effektiver kühlt es – und die Benetzbarkeit der Oberfläche (auf einer hydrophilen Oberfläche breitet sich das Kondensat in einem dünneren, gleichmäßigeren Film aus; auf einer hydrophoben Oberfläche sammelt es sich in Tropfen).
Geschichte
Eine alte, weit verbreitete Praxis – die Amish-Gemeinschaften, die mediterranen „Tau-Teiche“ und viele Wüstenkulturen nutzen sie seit Jahrhunderten. Die Forschung an modernen, speziell entwickelten Tau-Sammelfolien begann in den 1990er Jahren (Daniel Beysens und die OPUR-Forschungsgruppe) mit dem Ziel, die optimale Materialzusammensetzung für maximale nächtliche Kühlung zu finden.
Einfache Version
Eine einfache Folien- oder Gewebeplane, die nachts auf einer Neigung ausgelegt wird (damit das kondensierte Wasser abläuft), mit einer Sammelrinne entlang der unteren Kante, die in einen Speicherbehälter mündet. Keine beweglichen Teile, keine Energiezufuhr – nur das richtige Material und ein freier Blick auf den Himmel.
Fortgeschrittene Version
Speziell entwickelte Folien, die für die Strahlungskühlung optimiert sind (spezielle Polyethylen-Formulierungen), die die Infrarotemission im atmosphärischen Fenster maximieren und gleichzeitig die solare Absorption tagsüber minimieren. Größere Kondensationssysteme, die aus mehreren Platten bestehen.
Industrielle Version
Großflächige Tau-Sammelanlagen (z.B. experimentelle Projekte in Kroatien und Israel), oft kombiniert mit Nebelnetzanlagen in Küstenwüstenregionen.
Selbstbau
Eine geneigte Platte (Folie oder Gewebe), eine Sammelrinne entlang der unteren Kante, ein Speicherbehälter. Die Platzierung ist wichtig: ein freier Blick auf den Himmel (Beschattung durch Bäume oder Gebäude verschlechtert die Strahlungskühlung), vorzugsweise an einem windgeschützten Ort. Nachts bei klarem Himmel testen.
Häufige Fehler
- Eine versperrte Sicht auf den Himmel (Bäume und Gebäude reduzieren die Strahlungskühlung)
- Schlechte Materialwahl – einige Kunststoffe haben eine geringe Emissivität im atmosphärischen Fenster von 8–13 Mikrometern
- Unzureichender Neigungswinkel, sodass das Kondensat nicht abläuft und verdunstet, bevor es gesammelt werden kann
- Schlecht abgedichtete Sammelrinne, wodurch Wasser durch Lecks verloren geht
Wie man misst
Ein Hygrometer (relative Luftfeuchtigkeit, Taupunkt-Schätzung), ein Oberflächenthermometer (wie stark sich die Platte unter die Umgebungstemperatur abkühlt) und eine Ertragsmessung (ml pro m² Oberfläche pro Nacht) – dies macht verschiedene Materialien und Designs vergleichbar.
Videos
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Herunterladbares PDF
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Quellen
- Forschungspublikationen von OPUR (International Organisation for Dew Utilization)
- Die Physik der Strahlungskühlung – Schwarzkörperstrahlung zum Nachthimmel, das atmosphärische Fenster (8–13 Mikrometer)